Corona - Ungewisse Zukunft für den Grünen Pass

Corona – Ungewisse Zukunft für den Grünen Pass



Es hat sich angekündigt. Die Gültigkeit des Grünen Pass wird verlängert. Das hat Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) am Dienstagabend im ORF-“Report” gesagt. Ab wann die Verlängerung gilt und für wie lange, will er Anfang kommender Woche kundtun. Rauch sagte nur, dass niemand auf einen Urlaub wegen eines auslaufenden Grünen Pass, der die Corona-Impfung und Genesung abbildet, verzichten wird müssen.

Hintergrund ist, dass die Gültigkeit von Genesungen und Impfungen mit Fristen versehen sind. Eine volle Impfserie gilt bisher für 270 Tage nach der dritten Impfung. Zwischen dem zweiten und dritten Stich dürfen maximal 180 Tage, also ein halbes Jahr, vergehen. Dieses halbe Jahr ist auch nach einer Genesung der Fall.

Bisher haben 456.000 Menschen in Österreich die Gültigkeit ihrer Corona-Impfnachweise auslaufen lassen und sich keine weitere Impfung geholt. Darunter können natürlich viele sein, die es in der Delta-Welle im Herbst noch vor der Auffrischung erwischt hat. Auch bei einigen Geboosterten sind die 270 Tage Gültigkeit bereits abgelaufen, dabei handelt es sich aber nur um wenige 100 Personen.

Bei der Frage der Gültigkeit des Grünen Pass ist keine Abstimmung innerhalb der EU nötig. Die Ausweitung der Dauer soll auch den Spielraum erhöhen, etwaige (weitere) Auffrischungen zeitnahe zum erwarteten Beginn der nächsten Welle zu setzen, um mit einer möglichst hohen Immunität in der Bevölkerung in den Herbst zu gehen. Inwieweit aber etwa eine vierte Impfung auch einen Infektionsschutz bietet (gegen Omikron), ist noch unklar. Eine Studie aus Israel zeigte zwar bei älteren Personen einen gewissen Schutz vor Ansteckungen, aber nur kurz. Er ließ bereits nach vier Wochen nach. Der Schutz vor schweren Verläufen erwies sich als stabil, wobei der Studienzeitraum vorerst sechs Wochen betrug.

Deutscher Bundestag entscheidet über Impfpflicht

Daten wie jene aus Israel sind für die Empfehlung möglicher weiterer Auffrischungen wichtig. Die Evidenz zum Nutzen einer vierten Impfung ist noch dünn gesät, eine Zulassung gibt es nicht, sehr wohl wird, nach individueller Abklärung und in Einzelfällen, off-label eine vierte Impfung verabreicht. Das ist auch für die Frage der Impfpflicht relevant, die in Österreich derzeit ausgesetzt ist. In Deutschland wird über sie am Donnerstag im Bundestag abgestimmt.

Am Mittwoch liefen noch Gespräche, da mehrere Anträge für Impfpflicht-Modelle vorliegen, wobei keiner bisher eine Mehrheit hatte. Eine allgemeine Pflicht ab 18 Jahren, wie in Österreich, fand unter den 736 Abgeordneten zwar mutmaßlich die größte Zustimmung, jedoch keine Mehrheit. Zwei Gruppen von Abgeordneten der Regierungsparteien SPD, Grünen und FDP, die unterschiedliche Modelle propagiert hatten, präsentierten einen gemeinsamen Vorschlag für eine Impfpflicht ab 60 Jahren. Das wäre das Modell Griechenland, wobei im Herbst noch eine Ausweitung auf Jüngere geprüft werden soll.

Am Tag vor der Abstimmung vollführte Gesundheitsminister Karl Lauterbach einen viel beachteten Rückzieher bei der geplanten Aufhebung der Quarantänepflicht. Die behördliche Absonderung Infizierter hätte mit 1. Mai gestrichen und durch eine freiwillige Quarantäne ersetzt werden sollen, wie dies in einigen EU-Ländern der Fall ist. Da Lauterbach stets eine sehr vorsichtige epidemiologische Linie vertreten hatte, stieß dies auf Irritationen.

Lauterbach selbst bezeichnete die geplante Änderung nun als “falsch”, sie werde nicht kommen. “Hier habe ich einen Fehler gemacht”, schrieb er am Mittwoch auf Twitter. Die Quarantäne werde aber auffünf Tage verkürzt. Dies wiederum hatte in Österreich für Kritik gesorgt. Wien wollte dies etwa nicht umsetzen.


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