Bildung - Schulleiter fordern mehr Unterstützung bei Administration

Bildung – Schulleiter fordern mehr Unterstützung bei Administration



Der Aufschrei kam in Form eines offenen Briefs: “Ich kopiere tonnenweise – schade um meine gute Ausbildung.” Der Einleitungssatz des Briefs, der Ende März dem Bildungsministerium von Martin Polaschek (ÖVP) übergeben worden war, zeigt plakativ das Ergebnis einer aktuellen Studie. 40 Direktorinnen und Direktoren aller Schultypen wurden von der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/ Krems in Zusammenarbeit mit der Bildungsdirektion Wien zum Qualitätsmanagement befragt.

Herausgekommen ist ein ernüchterndes Bild des Schulalltags: Die Führungskräfte versinken in administrativen Tätigkeiten, die auch Hilfskräfte ausführen könnten, sie sehen zu wenig Handlungsspielraum, um wirksam führen zu können, und generell sei der Beruf des Direktors aktuell so unattraktiv, dass sich zu wenige Bewerberinnen und Bewerber für ausgeschriebene Stellen finden würden.

Für Studienleiter Roland Bernhard ist diese “Verschwendung der Zeit von hochqualifizierten Führungskräften” ein echtes Problem im Bildungssystem in Österreich, wie er am Donnerstag im Ö1-“Morgenjournal” sagte. Die befragten Schulleiterinnen und Schulleiter fordern daher im offenen Brief Unterstützungspersonal, das sie von administrativen Aufgaben entlastet, sowie ein mittleres Management, das etwa den wirtschaftlichen Bereich übernimmt.

Mit der gewonnenen Zeit könnten sich die Direktorinnen und Direktoren der Qualitätsentwicklung widmen. Aus wissenschaftlichen Studien wisse man, dass die Schulleitung einen großen Einfluss darauf habe, wie die Schülerinnen und Schüler lernen, so Bernhard.

Außerdem müsse der Job attraktiver werden, etwa durch ein eigenes Dienstrecht. Und es brauche mehr reale Autonomie und unbürokratischen Handlungsspielraum im Schulalltag wie Ausstiegsszenarien für Lehrer, die den Anforderungen nicht gerecht werden oder die Freude an ihrem Beruf verloren haben.

Widerstand von Neos gegen Bonus-Aktion

Eine Antwort auf den offenen Brief gibt es noch nicht. Was es allerdings geben soll, sind 500 Euro Bonus für Direktorinnen und Direktoren als “Belohnung” für ihren Arbeitseinsatz in den zwei Jahren Corona-Pandemie. Für die Aktion werden rund 3,2 Millionen Euro aus dem laufenden Budget in die Hand genommen.

Für den Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer (SPÖ) ist das “eine Wertschätzung”, doch werde es nicht reichen, mit dieser Einmalzahlung den Direktorenjob zu attraktivieren, wie er im Morgenjournal sagte. In Wien sei allen Pflichtschulen administrative Unterstützung zugesagt worden, der Großteil habe sie bereits. Auch ein mittleres Management sei in verschiedenen Schulen in Versuchen schon im Einsatz. Dennoch brauche es mehr Ressourcen aus dem Bildungsministerium.

“Die Forderung der Lehrergewerkschaften nach einer Coronaprämie für alle Pädagoginnen und Pädagogen in Österreich bleibt natürlich aufrecht”, betonte der oberste Lehrergewerkschafter Paul Kimberger (FCG) gegenüber der APA. Für die Unabhhängigen Lehrergewerkschafter von der ÖLI-UG ist es gar eine “Farce”, dass die Prämie angesichts der besonderen Arbeitsbelastung in der Corona-Pandemie nur an Direktorinnen und Direktoren gehen soll, nicht aber an Lehrerinnen, Lehrer und Kindergartenpersonal. SPÖ-Bildungssprecherin Petra Vorderwinkler pochte per Aussendung ebenfalls auf einen Corona-Bonus für das gesamte Bildungspersonal, auch wenn eine Einmalzahlung die Gesamtsituation nicht verbessern könne.

Widerstand gegen Polascheks Bonus-Aktion kam von den Neos: Der Minister habe seit seinem Amtsantritt genau nichts für bessere Schulen oder Kindergärten getan. “Und just wenn die öffentliche Kritik der Gewerkschaft an seinem Nichtstun unüberhörbar wird, öffnet er in bester ÖVP-Manier das Füllhorn und verteilt Geld”, zeigte sich Neos-Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre verärgert und forderte stattdessen strukturelle Reformen.


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