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Pflegereform – Wohin die Pflege-Milliarde geht


Es ist Tag der Pflege, der 202. Geburtstag der Krankenschwester Florence Nightingale, die als Begründerin der modernen Pflege gilt. Für Gesundheits- und Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) ist es “ein wichtiger Tag für die Zukunft der Pflege”, an dem, “ich mich mit gutem Gewissen hinstellen kann” und gemeinsam mit den Klubobleuten der Regierungsparteien, August Wöginger und Sigrid Maurer, die Eckpunkte der Pflegereform für die kommenden beiden Jahre zu verkünden. Es ist eine Reform, die mit einer Milliarde Euro in den Jahren 2022 und 2023 budgetiert ist.

Wöginger versichert, es sei “eindeutig ein großer Wurf” mit 20 Maßnahmen zu folgenden Schwerpunkten: Geld in der Ausbildung, um den Beruf zu attraktivieren; mehr Gehalt und Freizeit für jene, die bereits in dem Bereich arbeiten und mehr Geld für pflegende Angehörige. Es sei laut Maurer eine Reform, die “unser Land nachhaltig prägen wird”.

520 Millionen Euro, um kein Personal zu verlieren

Die Babyboomer-Generation geht in Pension, Pflegekräfte aus dem Ausland finden zunehmend auch in ihren Herkunftsländern Arbeit. Wegen der Be- und Überlastung bleiben Pflegekräfte im Durchschnitt nur sechs Jahre in ihrem erlernten Beruf. 520 Millionen Euro der Milliarde sind nun für zusätzliches Gehalt der Pflegekräfte reserviert. Das entspreche im Durchschnitt ungefähr einem zusätzlichen Monatsgehalt pro Jahr, erläutert Rauch und bringe einen “spürbaren Nettoeffekt auf dem Lohnzettel”.

Nach dem 43. Geburtstag gibt es künftig eine zusätzliche Urlaubswoche zur Entlastung, unabhängig von Dienstzeit und Beschäftigtenzeit der Angestellten. Auch für Nachtdienste gebe es künftig zwei Stunden Zeitguthaben. Nicht dabei ist eine Reform der 24-Stunden-Betreuung, das müssten die Sozialpartner erst extra ausverhandeln.  

Ausbildungsoffensive mit Pflegelehre

Wer eine Erstausbildung in der Pflege macht, soll künftig mit zumindest 600 Euro pro Monat an Fachhochschulen und Krankenpflegeschulen währenddessen erhalten. Frauen und Männer, die in den Beruf umsteigen, sollen über ein Pflegestipendium künftig mit 1.400 Euro monatlich unterstützt werden. 

Die Schulversuche an 15 Standorten werden ab 2023/24 zu regulären Schulen. Darüber hinaus schafft die Regierung einen Pflegelehre, dreijährig zur Pflegeassistenz, vierjährig zur Pflegefachassistenz. Im vierten Lehrjahr sei eine Lehrlingsentschädigung von rund 1.500 Euro monatlich geplant. Eine weitere Verbesserung für Beschäftigte ist, dass die so genannte “Entlastungswoche” generell ab dem 43. Geburtstag gewährt wird.

1500 Euro Bonus für Angehörige

Für den Teil der rund 950.000 pflegenden Angehörigen, die die Pflege zu Hause übernehmen und deren pflegebedürftige Familienmitglieder Pflegegeld der Stufe 4 und höher erhalten, plant die Regierung ab 2023 einen Bonus über 1.500 Euro pro Jahr.

Ersatzpflege wird bereits ab dem dritten, nicht wie bisher dem siebenten Tag bezahlt. Die Pflegestunden für Personen mit Demenz werden von bisher 25 um weitere 20 auf künftig 45 monatlich erhöht. Der Rechstanspruch auf Pflegekarenz wird von bisher einem auf die volle maximale Bezugszeit, also drei Monate, ausgeweitet.  Eine erhöhte Familienbeihilfe, etwa bei Kindern mit Behinderung, wir nicht mehr auf das Pflegegeld angerechnet. 


www.wienerzeitung.at

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